
1. Worin sehen Thukydides, Aristophanes, Diodor und Plutarch die Anlässe bzw. Gründe des Peloponnesischen Krieges?
Aristophanes sieht den Anlaß des Krieges in der Entführung von drei Frauen, der Entführung von Simaitha aus Megara sowie zweier Huren Aspasiens. Als Gründe für den Krieg ist in den zwei kurzen Stücken nicht viel zu ersehen, allenfalls, daß Perikles sich als Kriegstreiber betätigte und dadurch einen Domino-Effekt auslöste, so daß sich der Krieg nicht mehr aufhalten oder stoppen ließ. Ein wohl weniger entscheidender Grund ist die Zerstörung/ Verwüstung von Eigentum, das Zivilisten erleiden mußten. So erwähnt Aristophanes, daß auch seine Reben verwüstet worden seien. Ob zwischen Athenern und Spartanern auch vor Kriegsbeginn schon „Haß" herrschte, ist mir nicht bekannt - auf jeden Fall ist Haß dem Frieden immer abträglich.
Laut Diodor übergaben die Athener Perikles 8 000 Talente zur Überwachung. Von vornehmer Herkunft, Ruhm und Redefähigkeit erschien er seinen Mitbürgern als der richtige Mann für diesen Job. Diodor schreibt weiter, daß Perikles sich nicht als vertrauenswürdig herausstellte: Er verbrauchte einen Teil des Geldes für sich und als es dazu kam, für das Geld Rechenschaft ablegen zu müssen, suchte er nach Ausflüchten. Am Besten geeignet erschien dem Staatsmann hier ein Krieg. Die Einwohner Megaras hatten den Beschluß der Volksversammlung Athens, von Markt und Häfen ausgeschlossen zu sein, nicht hingenommen und bei den Spartanern um Hilfe ersucht. Unter der Drohung des Kriegs verlangten diese von den Athenern ein Nachgeben in dieser Sache. Perikles überredete in der Volksversammlung die Athener unter Hinweis auf die finanziellen und militärischen Möglichkeiten Athens, daß man dieser Drohung nicht nachgeben solle - zudem erlaubten dies auch Stolz und Ehre nicht (Hinweis auf Sklaverei). Laut Diodor war Perikles Hauptgrund für diese Argumentation, daß ein Krieg es dem Staatsmann erleichtern würde, seine Fehler zu vertuschen: Seine Feldherren- und Staatsmannskunst werde die Athener dazu veranlassen, in Kriegszeiten über diese hinwegzusehen, es werde ihnen gar nichts anderes übrigbleiben. Fazit: Laut Diodor trieb Perikles die Athener zum Krieg.
Plutarchs Darstellung lastet ebenfalls Perikles den Krieg an. Laut ihm haben sich bereits die Korinther in Sparta über Athen beschwert, ebenso die Megara wegen der athenischen Sperrung von Häfen und Märkten in Athens Machtbereich. Auch die Aigineten hätten Athen im Geheimen in Sparta angeklagt. Zeitgleich fiel Potiadaia vom attischen Bündnis ab und wurde von Athen belagert. All dies, so Plutarch, hätte wohl nicht ausgereicht, einen Krieg zu beginnen, wenn die Athener von dem Volksbeschluß gegen Megara zurückgewichen wären. Laut ihm schickt Sparterkönig Archidamos Gesandte nach Athen - um zu einem freundlichen Vergleich zu kommen. Jedoch allein Perikles habe sich dagegen gestellt, den Beschluß aufzulösen. Bei der Schuldzuweisung ist Plutarch jedoch vorsichtig: „Die Folge war, daß man ihm allein den Krieg anlastete" - er stellt nur fest, daß dieser als schuldig angesehen werde, ob er auch dieser Meinung ist, läßt er offen. Auch Plutarch sieht in der „Kriegstreiberei" Perikles’ einen weiteren, hauptsächlich verantwortlichen Grund für den Ausbruch des bis dahin „nur auf heller Asche glimmenden" Krieges: Um Anschuldigungen und Neid zu zerstreuen, mit denen er nach der Verurteilung des Bildhauers Pheidias sowie den Verhandlungen gegen Aspasia und Anaxagoras zu kämpfen hatte, habe er das Volk zum Beharren auf seinem Entschluß - und somit zum Krieg - angestiftet. Da sich die Stadt in den Wirren des Krieges ihm „wegen seines Ansehens und seiner Macht [..] allein anvertrauen müßte", konnte er so den Problemen entgehen.
Thukydides sieht Grund und Anlässe des Krieges in mehreren Tatsachen: den letzten und wahren Grund sieht er im Machtzuwachs der Athener, der die Spartaner geängstigt habe und sie zum Kriege gezwungen habe. So führt er ebenfalls Klagen der Korinther, Aigineten und Megarer zu den gleichen Punkten wie oben genannt als Grund der Spartaner an. Er betont jedoch auch hier wieder, daß sie weniger durch die Reden ihrer Bundesgenossen als eher durch die Furcht vor Athens Größe bewogen worden seien. Ausschlaggebend für die Athener ist laut Thukydides die Rede des Perikles auf die Macht und Kühnheit usw. der Athener: Er rate ihnen am Besten, entschieden sie in der Volksversammlung, und folgten seinen Worten - kein Nachgeben im Fall Megara und somit Krieg.
2. Zwischen welchen Quellen gibt es Übereinstimmungen
und worin bestehen sie?
· Die Rede des Perikles scheint für die Athener der
Grund gewesen zu sein, nicht von ihrer Überzeugung abzuweichen, Megara
weiterhin keinen Zugang zu gewähren. Dies sagen alle Quellen gleich,
unterschiedlich jedoch mit einem anschuldigen, lobenden oder feststellenden
Unterton.
· Von der Entführung junger Frauen sprechen Plutarch und Aristophanes,
dies dürfte jedoch nur ein Randereignis gewesen sein.
· Die Besprechung zwischen den Spartanern und ihren Bündnisgenossen,
durch welche die Entscheidung zum Krieg gefallen sei, erwähnen Plutarch
und Thukydides.
· Daß Perikles in Schwierigkeiten gewesen ist - ob nun aufgrund
wahrer Tatsachen oder Verleumdungen, erwähnen Diodor und Plutarch.
3. Wie stellt sich die Quellenabhängigkeit
dar?
· Diodor stützt sich auf Aristophanes und den Dichter
Eupolis sowie Ephorors.
· Aristophanes, Zeitgenosse von Perikles’, wird sich wohl auf Erfahrungen
und Zeugen stützen, jedoch auf keine andere Quelle.
· Plutarch zitiert Aristophanes.
· Thukydides wird als Zeitzeuge selbst viele Eindrücke gewonnen
haben, erwähnt jedoch mehrmals Dichtungen (vornehmlich von Aristophanes)
zum Thema gehört haben - schließlich stehen in seinem Buch mehrere
Seitenhiebe auf den Inhalt dieser Texte.
4. Welche Quellen stehen sich konträr
gegenüber?
Diodor wettert gegen Perikles und läßt an diesem nicht
viele guten Seiten und hält ihn ganz allgemein für einen der
Hauptschuldigen des Krieges. Da er sich auf Aristophanes stützt sagen
diese beiden essentiell das gleiche. Wobei jedoch Aristophanes auch in
dem Entführungsfalls der drei Damen - die zwei von den Megarern entführten
Huren - den Auslöser des Kriegs sucht. Die beiden stehen hiermit konträr
zu Thukydides, der die Schuld an dem Krieg bei den Spartanern sieht, die
Athens Größe gefürchtet hätten. Plutarch berichtet
ebenfalls von den Verfehlungen Perikles’, läßt jedoch ein unsichtbares
Fragezeichen dahinter stehen. „Man sagt", „es wird berichtet"
- er enthält sich eines persönlichen Kommentars. Er schiebt jedoch
die Schuld den Athenern zu: Sparterkönig Archidamos habe in freundlicher
Absicht Gesandte geschickt und die Athener seien nicht darauf eingegangen.
Somit ist er nicht voll auf der Linie von Diodor und Aristophanes, jedoch
auch entgegengesetzt zu der Meinung Thukydides'.
(Autor und Zusammenhang unbekannt, mit Suchmaschine gefunden!)