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Die kleisthenischen Reformen

Hermann Bengtson, 1960: Arbeitsauftrag

Die Reformen waren notwendig geworden, um die Neubildung geschlossener Ständegruppen im Staate zu zerschlagen und für alle Zeiten unmöglich zu machen. ... Die Sonderinteressen dieser Gruppen [Bewohner von Küstengebiet, Ebene und Bergland], die sich mit den Bestrebungen der verschiedenen Adelsgeschlechter teils verbanden, teils mit ihnen kreuzten, drohten das Staatsgefühl zu untergraben und den Staat selbst zum Spielball von Klassenleidenschaften zu machen. Um dies zu verhindern, schuf Kleisthenes eine territoriale Einteilung Attikas und Athens. ...

Durch die Schaffung einer ausschließlich territorialen Einteilung wurden die gentilizischen Verbände vollständig auseinandergerissen. Die kleinste Selbstverwaltungseinheit bildete von nun an der Demos, die 'Gemeinde'. Sie wurde ebenso auf dem flachen Lande wie im Stadtgebiet von Athen mit dem Demarchos an der Spitze konstituiert. Den ursprünglich wohl 100 Demen (die Zahl vermehrte sich später durch Abspaltungen beträchtlich) fielen die Führung der Bürgerliste, der Stammrolle, die lokale Selbstverwaltung auf dem Gebiete der Finanzen und des Kultus zu. Offiziell nur nach dem Demos, in dem er zur Zeit der Neuordnung wohnhaft war, nannte sich nun der attische Vollbürger; aus den adligen Geschlechtern mit ihren Gefolgschaften war durch Verschmelzung von Stadt und Land das attische Volk geworden.

Die neuen Trittyen hatten keine besonderen Funktionen; die zehn nach attischen Heroen benannten lokalen Phylen stellten je ein Regiment des Fußvolkes der Phalanx mit einem gewählten Strategen an der Spitze, dazu je eine Reiterschwadron. Die Strategen unterstanden bis ins 5. Jahrhundert hinein dem Kriegsobersten, dem Polemarchen. Jede Phyle hatte 50 Ratsherren zu stellen, und zwar wurden sie den einzelnen Demen, entsprechend ihrer Bürgerzahl, entnommen: Es ist dies 'vielleicht das erste Beispiel einer der Bevölkerung proportionalen Repräsentation, das die Geschichte verzeichnet' (K.J. Beloch).

(Hermann Bengtson, Griechische Geschichte, München 1960, S. 140 f.)

Aufträge:

1. Welche Reformmaßnahmen hebt Bengtson hervor?

2. Stimmen Sie der Bewertung Belochs zu?