
Die Agora war in Klassischer Zeit nicht nach einem Gesamtkonzept
gebaut. Die Rekonstruktion wirft Probleme auf, da die Agora mehrfach aus-
und umgebaut wurde. Die ersten Staatsbauten wurden unter Peisistratos errichtet: der
Verwaltungssitz für den Rat und die Beamten (in der Gegend des späteren
Metroion), der Altar der Zwölf Götter, er war Ausgangspunkt
des attischen Straßennetzes, das Brunnenhaus für die Kallirhoe-Quelle. Nach der Zerstörung Athens 480 v.Chr. wurde die Agora mit einem
neuen Entwässerungssystem versehen. Die meisten Kult- und Verwaltungsbauten
entstanden zwischen 460 und 400 v.Chr. an der West- und Südseite der
Agora: Stoa des Zeus, hier führte Sokrates häufig seine Gespräche; Metroion, ehemals Sitz des Rates, ein Tempel zu Ehren der Göttermutter
mit dem Staatsarchiv; Bouleuterion, Tholos, Sitz der Prytanen;
Strategeion, Versammlungsort der Strategen; neben dem größten
Brunnenhaus an der SW-Ecke der Agora die Tagungsstätte der Heliaia sowie die Süd-Stoa, die die Agora gegen den Areopag-Hügel
abschloss. Im Norden wurde die Agora von der um 460 erbauten Stoa poikile
mit Gemälden berühmter Künstler zur Geschichte Athens sowie
der Hermes-Stoa abgeschlossen. Im NW der Agora an der Panathenäenstraße
in Richtung Dipylon-Tor schloß sich der Keramaikos an, das alte Zentrum
der Keramik- und Ziegelproduktion, in dessen äußerem Bereich
der Hauptfriedhof Athens lag. Hier hielt Perikles seine Leichenrede für
die Gefallenen des Peloponnesischen Krieges. Der Hephaistostempel auf dem Markthügel aus dem 5. Jh.
ist der best erhaltenste Tempel Athens. An der Ostseite der Agora entstand
in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts ein großes Peristyl-Haus, an dessen Stelle im 2. Jh. die Attalos-Stoa errichtet wurde, die
nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt wurde. Damals erhielt die Agora
ein typisch hellenistisches Aussehen mit möglichst durchgehenden Säulenhallenfronten. (zit. nach Udo Margedant, Die attische Demokratie, Frankfurt 1981, S. 43)

Die Agora - Zentrum des öffentlichen Lebens in Athen