Ernst Moritz ARNDT

* 26.12.1769 Groß Schoritz (Kgr. Schweden) + 29. 1. 1860 Bonn (Kgr. Preußen)

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In diesem Hause wurde EMA am 26.12.1769 als zweiter Sohn des Ludwig Nikolaus Arndt und seiner Frau Wilhelmine, geb. Schumacher geboren. Das Haus gehörte 1767-1945 zu den Besitzungen der Fürsten zu Putbus. 1648-1815 war Rügen und Vorpommern Teil des Königreichs Schweden.
(Foto: J. Stauf, 8/2004)

Wir zitieren aus dem Text des Arndthauses Bonn...
"Nicht nur das Ernst Moritz Arndt-Haus, heute Dependance des Stadtmuseums und einzig erhaltenes Professorenhaus aus der ersten Zeit der Universität, zeugt von der lebendig gebliebenen Erinnerung an den streitbaren Patrioten und Wahl-Bonner. Bei einem Stadtrundgang stößt man angelegentlich auf seine Spuren - unter Bäumen blickt die große Bronzefigur am Alten Zoll über den Rhein, und seine Grablege am Alten Friedhof lockt immer noch viele Besucher an.

Der auf Rügen geborene Historiker, Schriftsteller und Publizist, war der Sohn eines zum Gutsinspektor aufgestiegenen Leibeigenen. Im damals schwedischen Greifswald, dann in Jena studierte er Geschichte, evangelische Theologie, Erd- und Völkerkunde, konnte sich aber letztlich nicht zur eigentlich vorgesehenen theologischen Laufbahn entscheiden.

Eine große Bildungsreise fand ihren Niederschlag in den vierbändigen Erinnerungen Reisen durch einen Theil Teutschlands, Ungarns, Italiens und Frankreichs in den Jahren 1789 und 1799 (ersch. 1804). Wieder in Greifswald schlägt er die akademische Laufbahn ein, wird 1800 Privatdozent für Geschichte und Philosophie an der dortigen Universität und 1805 Professor. 1801 heiratet er die Professorentochter Charlotte Quistorp, die jedoch schon im ersten Ehejahr stirbt. Schon früh zeigt sich Arndt sozial und politisch beteiligt - ein Engagement, das ihm Zeit seines Lebens Ärger und u.a. Verbannung und Relegierung einbringen sollte. Sein 1803 erschienener Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen trug maßgeblich zur Aufhebung der im damals schwedischen Pommern noch bestehenden Leibeigenschaft bei.

Seine Attacken gegen Napoleon, der Europa mit seinen Eroberungszügen überzog, beendeten Arndts Lehrtätigkeit in Greifswald, und so setzte er sich nach Schweden ab, wo er von 1806 bis 1807 Mitarbeiter der schwedischen Gesetzeskommission für Pommern war. Als 1810 Vorpommern wieder an Schwerin kommt, wird er erneut im Lehramt bestätigt, kann sich aber als erklärter Franzosenfeind nicht lange halten und nimmt 1811 seinen Abschied. An der Seite des Freiherrn von Stein reist er 1812 als dessen Privatsekretär bis nach Sankt Petersburg und und führt während der Freiheitskriege seinen publizistischen Kampf gegen Napoleon weiter.

Hatte Arndt schon durch seine Herkunft nicht unbedingt Sympathien mit der überkommenen Feudalgesellschaft und daher der Französischen Revolution anfangs durchaus positiv gegenübergestanden, zumal er in ihr das Erwachen der Volksindiviualität begrüßte, so stießen ihn der rationalistische Despotismus und Napoleons Unterdrückung der nationalen Eigenständigkeit zunehmend ab. Er sah darin eine Vergewaltigung des lebendigen Volksgeists- letzteres die zentrale Idee, die für Arndt stets von beseelender Wirklichkeit blieb. Dem übertriebenen Rationalismus französischer Couleur stellte Arndt nun die aus der Freiheit des einzelnen erwachsene Kultur der germanischen Völker entgegen. Schon in seiner frühen Schrift Germanien und Europa war er gegen den Geist Roms zu Felde gezogen, der bereits die griechische Harmonie zwischen Geist und Natur zerstört und schließlich zur Entwicklung des Christentums und einem selbstischen Absolutismus geführt habe. Im Geist der Zeit, einer damals vielbeachteten Schrift, will nun Arndt diesen verderblichen Kräften mit der Idee einer vom einzelnen getragenen Humanität entgegentreten und verweist die germanischen Völker auf das Modell eines das Volk schützenden, nicht aber reglementierenden Staates, wie er ihn in der Schweizer und Niederländischen Republik verwirklicht sieht. So verschmelzen - dies ein typisch romantischer Zug der napoleonischen Zeit - Volks- und Freiheitsidee miteinander. Später nähert sich Arndt dem Christentum wieder an, ohne sich jedoch an eine Amtskirche gebunden zu fühlen. Auch hier wieder will er germanische und christliche Elemente verbinden, um in dieser Allianz gegen den Antichrist Napoleon anzutreten.

In diesem Kontext entstehen seine Kampflieder Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Teutsches Herz, verzage nicht, Was ist des Deutschen Vaterland? und seine Flugschrift Der Rhein, Teutschlands Strom, aber nicht Teutschlands Grenze(1813).

Auf Fürsprache der Freiherrn von Hardenberg und von Stein wird Arndt ordentlicher Professor der Geschichte an der neu gegründeten Universität zu Bonn, eben jener Alma mater, für die er 1815 im Universitätsstreit zwischen Köln und Bonn eingetreten war. Bereits 1817 war der 48jährige mit seiner zweiten Frau, Nanna Schleiermacher, dort eingetroffen und hatte seinen ersten Bonner Wohnsitz in der Sandkaule 15 genommen. 

Übersiedlung nach Bonn (Auszug aus einem Text der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft Rügen)

"Hierher würde ich oft wallfahrten, wenn mich das Glück in Bonn hätte geboren werden und wohnen lassen." Als Ernst Moritz Arndt 1801/2 in seinem Bericht über die anderthalb jährige Reise durch Deutschland, Ungarn, Italien und Frankreich diese überschwänglichen Worte über die Godesburg niederschrieb, konnte er nicht ahnen, dass sein Schicksal ihn achtzehn Jahre später tatsächlich für immer an den Rhein nach Bonn führen würde. Zwischen seiner ersten Begegnung und seiner endgültigen Niederlassung in Bonn lagen die nicht nur bewegtesten, sondern - gemessen an seinem feurig - unerschrockenen Wirken als politischer Publizist im patriotischen Dienste für die Freiheit und Einheit Deutschlands und dem demokratischen Kampf für die Freiheit des Geistes - auch die bedeutendsten Jahre seines Lebens.
Arndt begegnete im Juli 1814 in Frankfurt den Staatskanzler Fürst Hardenberg, dieser sagte ihm zu, er solle auf Grund seiner "Verdienste, die er sich durch seine Schriften um die Sache des deutschen Vaterlandes erworben habe", eine angemessene Stellung erhalten. Auch in von Gneisenau fand Arndt einen Gönner, der sich ihm gegenüber äußerte:" Über Ihre künftige Bestimmung habe ich mir gedacht, dass man Sie bei der [geplanten] Universität zu Köln als Professor der Geschichte anstellen müsse wegen des großen Nutzens, den Sie an dieser Stelle auf die Bildung der jungen Gemüter leisten können."
Arndt war von Köln als Universitätsstandort nicht erfreut und trat energisch für Bonn an Stelle von Köln als Sitz der neuen rheinischen Universität ein. "In Köln wird sie ein unserem jetzigen deutschen Streben widerwärtiges Ding: der alte Katholizismus wird sich ihrer unrettbar bemeistern, also wird sie ein toter Hund für die jetzige Zeit." schrieb er im Dezember 1815 an Reimer. Auf Veranlassung des Staatskanzlers von Hardenberg verfasste er eine Denkschrift und sprach sich darin gegen Köln und für Bonn als Sitz der neuen Universität aus.
Ende September, Anfang Oktober 1817, nach seiner Vermählung mit Nanna Schleiermacher in Berlin, erfolgte seine Abreise und damit Übersiedlung nach Bonn. Weit weg von Pommern und Rügen, war es ihm in seinem weiteren Leben nicht vergönnt seine geliebte Insel Rügen wieder zu sehen. Arndt wohnte mit seiner Frau vorerst im stattlichen Haus des ehemalig kurfürstlichen Hofkapellmeisters Andrea Luchesi, in der Sandkaule 15.
Im Mai 1818 legte der preußische König Friedrich Wilhelm III. den Sitz der rheinischen Universität fest. Bonn wurde Universitätsstadt. Der Staatskanzler von Hardenberg teilte Arndt im August 1818 dessen Ernennung zum ordentlichen Professor für neuere Geschichte an der Universität in Bonn mit.
Das erste Personal- und Vorlesungsverzeichnis der Universität Bonn vom Oktober 1818 führt unter der Philosophischen Fakultät Arndt als ordentlichen Professor der Geschichte mit 1500 Talern Jahresgehalt auf.

Zitat Ende


1818 erwarb er das Grundstück zwischen Zweiter Fährgasse, Rhein und Koblenzer Straße, das damals noch vor der Stadt, inmitten von Weinbergen lag. Hier hoffte er, nach den Jahren der Unstetigkeit eine Bleibe zu finden. Hier errichtete er sein Haus. Mit seiner Inschrift über dem Giebel - "Dieses Haus steht in Gotteshand und Lülo ist es zugenannt. Gottes Fried und Freud zieht mit uns ein, dann wird das Glück der Pförtner sein" - wollte Arndt sich wohl an das Wäldchen Lülo in der Nähe seines Vaterhauses in Groß Schoritz auf Rügen erinnern.

Bald aber gerät der Gegner der Reaktion und Publizist der Freiheitskriege in Konflikt mit den restaurativen Kräften. Zwar hatte er volle Rückendeckung bei Studenten und auch den Bonner Bürgern, doch trotz massiven Widerstands von Amtskollegen, Rektor und Senat wurde er - wenn auch bei vollen Bezügen - vom Amt suspendiert - und sollte es bleiben, bis ihn 20 Jahre später Friedrich Wilhelm I. bei seinem Amtsantritt rehabilitierte.

Anlaß war die gerichtliche Untersuchung im Zusammenhang mit der Ermordung des als russischer Spion verdächtigten Schriftstellers Kotzebues durch einen Studenten, wozu u. a. die Schriften Arndts ('Demagogenverfolgung') Anlass gegeben hatten. Arndt musste sich eine Hausdurchsuchung und die Beschlagnahmung seiner Papiere gefallen lassen. Und obwohl die Anklage durch die Mainzer Bundeszentralkommission nichts ergab und Arndt 1826 regelrecht freigesprochen wurde, blieb seine Amtsenthebung bestehen. Dank der Fürsprache Frh. v. Steins konnte Arndt in Bonn bleiben. Dass er sich auch weiterhin dort wohl fühlte, zeigen nicht zuletzt seine zahlreichen Aktivitäten im Bonner Leben. Auch war er nicht der Mann, der sich tatenlos ins Abseits begab. Bis ins hohe Alter engagiert er sich in der kirchlichen Gemeinde, steht in früheren Jahren dem studentischen Turnverein vor - und ob er nun in der Bonner Lese- und Erholungsgesellschaft oder später im akademischen Leseverein wirkt, immer steht er im Mittelpunkt des geselligen Lebens.

Zu seinem Bekanntenkreis gehörten vor allem Universitätskollegen, an erster Stelle Niebuhr und später Dahlmann, des weiteren Gräfin Dohna, die Tochter Scharnhorsts. Im Haus der "Rheingräfin" Sibylla Mertens-Schaafhausen hingegen verkehrte er nicht, da sein Kontrahent A.W. v. Schlegel ihrem Zirkel angehörte.

Wissenschaftlich publiziert hat Arndt in den Jahrzehnten des Vorlesungsverbots allerdings kaum etwas. Hatte er kurz nach seiner Übersiedlung nach Bonn neben dem Geist der Zeit auch seine Schrift über das Kirchenlied, den ersten Teil seiner Märchen und Erinnerungen, erziehungs- und sprachwissenschaftliche Untersuchungen sowie den Großteil seiner Geistlichen Lieder, die heute noch zum evangelischen Liedgut gehören, veröffentlicht, so erschienen zwischen 1820-40 nur ein Lebensbild, eine Verteidigung Luthers und einige wenige andere Schriften. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Arndts Lebenskraft jahrelang durch das gegen ihn laufende Verfahren beansprucht wurde, zudem trafen ihn nach 1830 mehrere persönliche Verluste. Sein Lieblingssohn starb und viele seiner Freunde, so u.a. der Frh. v. Stein, Niebuhr und Schleiermacher. An die Stelle des wissenschaftlichen Engagements war die Verbundenheit mit der Natur getreten - er liebte die Gartenarbeit und lange Spaziergänge.

Arndt war siebzig, als der neue preußische König ihn wieder ins Amt berief. Doch war der nun Hochgeehrte immerhin zwei Jahrzehnte hinter dem wissenschaftlichen Stand zurück. Es gelang Arndt, dem dieses Defizit durchaus bewusst war, aber erst 1854, mit 85 Jahren, von dieser inzwischen misslich gewordenen Pflicht entbunden zu werden.

Reicher fließt jedoch im letzten Lebensabschnitt die literarische Produktion. Es erscheint der 2. Teil seiner Märchen, er schreibt an seinen Lebenserinnerungen, veröffentlicht Schriften zu politischen und konfessionellen Fragen und zur vergleichenden Völkergeschichte (Versuch in vergleichenden Völkergeschichten, 18442) und gibt eine Schrift über seine Wanderungen mit Frh. von Stein (Meine Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherrn Heinrich Karl Friedrich vom Stein, 1857) heraus.

Als Arndt 1848 ins Parlament der Paulskirche gewählt wurde, wo man ihn mit großem Jubel in Empfang nahm, hatte er noch ein Jahrzehnt zu leben. In geistiger und körperlicher Frische genoss er die Achtung, die ihm allenthalben entgegenkam und die kleinen Freuden, die ihm sein Garten und die geliebte Rheinlandschaft bereiteten. Noch im hohen Alter badete er bei kühlem Wetter im Rhein. Ganz Deutschland ehrte den Wahlbonner zu seinem 90.Geburtstag. Einen Monat später, am 29. Januar 1860, starb Arndt.

Weitere Werke:

Fragmente über Menschenbildung (3 Bde, 1805-19); Kurzer Katechismus f. teutsche Soldaten nebst einem Anhang von Liedern, 1812; Gedichte, 2 Bde., 1818; 

Mährchen und Jugenderinnerungen, 2 Bde., 1818-43; Erinnerungen aus dem äußeren Leben, Autobiogr.,1840; Schriften für und an seine lieben Deutschen (ges. polit. Schriften), 4 Bde, 1845-1855;

Geistliche Lieder, 1855.

Werkausgaben:

E.M.A. Werke. Ausw. Hg. v. A. Leffsohn u. W. Steffens, 1912, 4 Bd.; 

E.M.A. Ausgew. Werke, Hg. v. H. Meisner u. R. Geerds, 1908, 16 Bde; E.M.A. Werke. Erste einheitl. Ausg.

Bd7 ff u..T. Sämtl. Werke, Hg. v. H. Rösch u.a., 1892-1909, 14 in 15 Bd.

Nachtrag: Arndt --- der erste Grüne?
1816 vertrat der erste Direktor der Forstakademie Berlin, Pfeil, die Ansicht, es sei wirtschaftlicher, die Wälder abzuholzen und das freiwerdende Gelände als Ackerboden zu nutzen; künftige Generationen sollten das benötigte Holz eben importieren.
Ernst Moritz Arndt dagegen warnte vor der "Abwaldung der Höhen und Berge und der Verwüstung und Verhässlichung der Natur": " Wer den Ländern die Wälder auszieht und besonders wer die Berge und Höhen entwaldet, der beraubt den Menschen an seinem köstlichen Teile."
(E. M. Arndt: Ein Wort über die Pflegung und Erhaltung der Forsten und Bauern im Sinne einer höheren, d.h. menschlicheren Gesetzgebung, in-. Agrarpolitische Schriften, Goslar 1942 (sic!) S. 361 und 364. - Zitiert in: Jörg von Uthmann, Die Sehnsucht nach dem Paradiese, Stuttgart 1986, S. 62)

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