Beugungsexperimente
mit Laserstrahl und Sensorchip
Volker Martini , Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium
Bonn
Stand : 28.4.2003
1. Einleitung
In nahezu allen Teilgebieten
der Physik sind Wellen von fundamentaler Bedeutung. Im Physikunterricht der
Schule werden Wellenphänomene hautsächlich im Bereich der Wellenoptik
behandelt. So wird beispielsweise die Beugung von Lichtwellen an Spalt,
Doppelspalt und Strichgitter untersucht. Die Experimente sind, wenn man zu
quantitativ guten Ergebnissen kommen will, im Allgemeinen recht aufwendig.
In der vorliegenden Arbeit
wird eine Apparatur vorgestellt, mit der Beugungsexperimente
mit Licht leicht und sicher durchgeführt werden können. Die Apparatur ist klein
und handlich. Mit ihr kann das Lichtwellenfeld sowohl in der Ferne als auch in
der Nähe des beugenden Objekts untersucht werden. Eine Verdunkelung des Raums
ist nicht notwendig. Die bei der Beugung entstehenden Interferenzstrukturen
lassen sich auf dem Monitor eines Computers bequem beobachten und genau
vermessen. Es entstehen Bilder von faszinierender Schönheit. Mit der Apparatur
sind neue Experimente möglich, die so bisher an der Schule nicht durchgeführt
werden konnten. Dies wird an einigen Beispielen demonstriert.
2. Apparatur
Der Aufbau der Apparatur ist
in Abb. 1 mit einem Foto und einer
Prinzipskizze dargestellt. Ein Halbleiterlaser erzeugt einen Laserstrahl, der
durch ein Polarisationsfilter auf das Beugungsobjekt gelenkt wird. Hinter dem
Beugungsobjekt kann eine Sammellinse montiert werden, mit der sich eine
beliebige Ebene des Wellenfeldes im Nahbereich des Objektes abbilden lässt.
Ohne Sammellinse untersucht man die Interferenzstruktur des Wellenfeldes im
Fernbereich. Das Licht läuft durch eine Rohrblende und trifft schließlich auf
den Sensorchip einer Videokamera. Das Objektiv der Kamera wurde entfernt. Alle
Bauteile sind auf einer optischen Bank justierbar montiert.

Der Halbleiterlaser hat eine
Leistung von 1 mW und eine Wellenlänge von 650 nm . Er
besitzt eine einstellbare Optik, mit welcher der Laserstrahl aufgeweitet bzw.
fokussiert werden kann. Die Stromversorgung erfolgt über Batterien, die
zusammen mit dem Halbleiterlaser in den auf dem Foto zu sehenden Kästchen
eingebaut sind. Die Intensität des Laserstrahls kann durch Drehen des
Polarisationsfilters reguliert werden.
Die Interferenzstruktur des
gebeugten Laserlichts wird auf dem CMOS-Sensorchip
einer Videofarbkamera abgebildet. Der Chip besitzt 365 496 Pixel. Die Stromversorgung erfolgt wieder
über eingebaute Batterien. Das Videosignal der Kamera wird über eine sogenannte TV-Karte einem Computer zugeführt, auf dessen
Monitor das Beugungsbildbild erscheint. Die Beugungsbilder lassen sich
speichern und können später mit dem Computer analysiert werden. Die Rohrblende
sorgt dafür, dass nur Licht aus Richtung des Lasers auf den Sensorchip fallen
kann. Hierdurch ist es möglich, auch bei Tageslicht bequem zu experimentieren.
3. Beugung an Gebrauchsgegenständen
Damit Schüler sich mit der
Apparatur vertraut machen können, sollten sie Gelegenheit haben, kleine
Gebrauchsgegenstände aller Art in den Laserstrahl zu halten, um den
Schattenwurf zu beobachten. Dabei können sie mit dem Polarisationsfilter die
Intensität des Laserstrahls verändern, mit der eingebauten Optik des Lasers den
Strahl aufweiten bzw. verengen und den Gegenstand längs oder quer zur
Strahlrichtung verschieben. Diese spielerischen Tätigkeiten führen zu
unverhofften Beobachtungen, wobei die Schüler grundlegende Erfahrungen zur Beugung
und Interferenz von Licht machen.

Als Beispiele werden in Abb.
2 drei mit dem Sensorchip aufgenommene
Bilder gezeigt, bei denen das Öhr einer Nähnadel, ein Kaffeepapierfilter mit sogenannter Aromapore und ein Teesieb als Hindernis in den Laserstrahl
gebracht wurden. Der Abstand vom Sensorchip beträgt jeweils ca. 5 cm . Man sieht, wie die Grenzen des geometrischen Schattens
verwischen, oder, wie bei der Aromapore, überhaupt nicht mehr zu erkennen sind.
Licht tritt in den Bereich des geometrischen Schattens und Schattenstrukturen
entstehen in dem Bereich, der nach den Gesetzen der geometrischen Optik hell
sein müsste. Außerdem entdeckt man Feinstrukturen, die in mehr oder weniger
seltsam verfremdeter Art die geometrische Gestalt des Hindernisses
widerspiegeln. Die Effekte verstärken sich, wenn man den Abstand des
Hindernisses zum Sensor vergrößert.
Bei Experimenten dieser Art,
die mit der Apparatur schnell und leicht durchgeführt werden können, sammeln
Schüler spielerisch viele Erfahrungen zu dem Phänomen der Beugung von
Lichtwellen. Die Beobachtungen regen dazu an, das Beugungsphänomen zielgerecht
und systematisch zu untersuchen und die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu
erforschen.
4. Doppelspaltexperiment
Das Paradebeispiel für ein
Experiment zur Demonstration der Beugung und Interferenz von Lichtwellen ist
das sogenannte Doppelspaltexperiment. Man lässt ein
Lichtbündel auf zwei parallele, dicht beieinander liegende Spalte fallen und
beobachtet das Beugungsmuster hinter den beiden Spalten. Das Experiment
offenbart in anschaulicher Weise die Wellennatur des Lichts und lässt sich
leicht analysieren. Es wird im Rahmen der Wellenoptik in allen Lehrbüchern der
Physik dargestellt und wird natürlich auch im Physikunterricht der Schule intensiv
behandelt. Bei der Physikausbildung von Schülern und Studenten wird das
Doppelspaltexperiment ein zweites Mal im Rahmen der Quantenmechanik diskutiert.
Diesmal dient es zum Nachweis der Wellennatur von Teilchen wie z.B. Elektronen
und als Grundlage für Gedankenexperimente zum sogenannten
Welle-Teilchen-Dualismus. Der Demonstration dieses grundlegenden Experiments
kommt also eine besondere Bedeutung zu. Unsere Apparatur eignet sich hierfür
hervorragend.
Der im Experiment verwendete Doppelspalt ist in der
Mitte von Abb. 3 zu sehen. Er wurde auf
fotografischem Weg als Filmnegativ hergestellt. Die beiden Spalte sind jeweils
0,1 mm breit und haben einen Abstand von 0,5 mm .
Seitlich sind zwei schwenkbare Klappen angebracht, mit denen jeder Spalt
einzeln abgedeckt werden kann.
In Abb. 4 sind die auf dem Sensorchip entstehenden
Beugungsbilder zu sehen. Bei dem oberen Bild war nur der linke Spalt und bei
dem mittleren nur der rechte Spalt geöffnet. Die durch die Spalte hindurchtretenden Lichtbündel werden durch Beugung
aufgeweitet, wobei hier nur jeweils das zentrale Maximum zu sehen ist. Die
gegenseitige seitliche Verschiebung entspricht dem Abstand der beiden Spalte.
Werden nun beide Spalte geöffnet, entsteht das auf dem unteren Foto
dargestellte Streifenmuster. Durch das zusätzliche Öffnen des zweiten Spaltes
werden Bereiche, die vorher beleuchtet wurden, dunkel. Hier werden die vom
ersten Spalt kommenden Lichtwellen durch die vom zweiten Spalt hinzukommenden
Lichtwellen durch destruktive Interferenz ausgelöscht. Im Rahmen der
Quantenmechanik, in welcher man das Verhalten von Licht mit Hilfe von Photonen
erklärt, wird man sagen, dass mit der Öffnung des zweiten Spaltes Bereiche
entstanden sind, in denen die Wahrscheinlichkeit für den Nachweis von Photonen
stark gesunken ist.
Die Besonderheit des hier
vorgestellten Experiments darin, dass die Interferenzerscheinung
mit einfachen Mitteln einer breiten Zuhörerschaft plastisch vor Augen geführt
werden kann. Die winzigen Beugungsstrukturen, die auf dem Sensorchip entstehen,
können während des Experiments „live“ mit Hilfe eines Beamers
großflächig auf einer Projektionswand dargestellt werden. Das plötzliche
Auftauchen des Streifenmusters beim Öffnen der zweiten Klappe ist beeindruckend
und bleibt im Gedächtnis haften.
5. Beugung an einer Kreislochblende
Die Beugung von Licht ist für
die Abbildungseigenschaft optischer Geräte von Bedeutung. Wenn beispielweise das Licht eines Sterns in ein Fernrohr fällt,
stellen die Linsenhalterungen kreisförmige Begrenzungen dar, an denen das Licht
gebeugt wird. Hierdurch wird die Schärfe des Bildes beeinträchtigt. Eine
punktförmige Lichtquelle wird nicht mehr als Punkt, sondern als kreisförmiges
Scheibchen abgebildet, das von einem System von Ringen umgeben ist.
Die Struktur des Beugungsmusters einer Kreislochblende
kann mit unserer Apparatur sehr leicht demonstriert werden. In Abb. 5a wird das Beugungsbild einer Kreislochblende
gezeigt, die einen Durchmesser von etwa
0,4 mm hat. Das Bild wurde in
einem Abstand von 17 cm aufgenommen. In dieser für Beugungsexperimente kurzen
Entfernung ist, anders als bei großen Entfernungen, der Radius der mittleren
hellen Kreisscheibe deutlich größer als der Abstand benachbarter Ringe.
Verkleinert man den Abstand
zwischen Sensorchip und Lochblende, so verkleinert sich erwartungsgemäß auch
der Durchmesser der Beugungsringe. Der Durchmesser der inneren hellen Scheibe verändert sich dagegen nur wenig.
Interessant wird es, wenn man Ebenen im Wellenfeld des Lichts betrachtet, die
nur wenige Zentimeter, oder gar nur wenige Millimeter von der Lochblende
entfernt sind. Bei sehr kleinen Entfernungen stört allerdings das Gehäuse, in
das der Sensorchip eingebaut ist. Das Problem lässt sich in einfacher Weise mit
einer Sammellinse lösen, die man zwischen Lochblende und Sensorchip anbringt.
Die zu beobachtende Ebene des Interferenzfeldes wird zur Gegenstandsebene, die
mit der Linse auf dem Sensorchip abgebildet wird. Mit dieser Methode kann man
Ebenen des Interferenzfeldes betrachten, die ganz dicht an der Lochblende
liegen. Diese Methode der Abbildung hat den weiteren Vorteil, dass sich die
Interferenzstrukturen vergrößert auf dem Sensorchip darstellen lassen. Man muss
bei der Anordnung von Lochblende, Linse und Sensorchip lediglich darauf achten,
dass die zu beobachtende Ebene des Wellenfeldes, also die Gegensandsebene,
zwischen der einfachen und doppelten Brennweite der Linse zu liegen kommt. Der
Vergrößerungsmaßstab lässt sich durch geeignete Wahl der Abstände in weiten
Grenzen variieren.
Bei Annäherung der
Beobachtungsebene an die Lochblende wandern die Beugungsringe immer mehr zum
Rand der zentralen Kreisscheibe hin und rücken, wie in Abb. 5c zu sehen
ist, dichter zusammen. Schließlich
verschmelzen sie mit dem Rand der Kreisscheibe. Es entsteht ein scharfes Abbild
der Kreislochblende.
Bei Experimenten, in denen
die Beobachtungsebene kontinuierlich der Lochblende genähert wird, macht man
die überraschende Entdeckung, dass bei bestimmten Entfernungen im Zentrum der
mittleren Kreisscheibe ein kleiner dunkler Fleck auftaucht. Solch ein Fleck ist
in Abb. 5b zu sehen, welche die Beugungsstruktur in einer Ebene ca. 4 cm von
der Lochblende entfernt zeigt. Der Fleck ist auf destruktive Interferenz
zurückzuführen. Seine Existenz lässt vermuten, dass der gesamte Bereich der
Kreisscheibe eine Beugungsstruktur besitzt, die nur wegen der großen Helligkeit
nicht zu sehen ist.
Um die vermutete Beugungsstruktur sichtbar zu machen,
wird die Intensität des Laserstrahls durch Drehen des Polarisationsfilters und
durch Aufweiten des Laserstrahl sehr stark
abgeschwächt. In der Tat beobachtet man jetzt eine mit dem Abstand sich
ändernde innere Struktur. In Abb. 6 sind vier Beugungsbilderbilder zu sehen,
welche die Strukturen im zentralen Bereich
38 mm, 27 mm, 20 mm und 16 mm hinter der Lochblende zeigen. Die kleiner
werdenden Abstände von der Lochblende wurden so gewählt, dass im Zentrum
abwechselnd ein dunkler und ein heller Fleck entsteht.
Bei jedem Wechsel von hell nach dunkel entsteht in der Mitte ein zusätzlicher
dunkler Ring, während die vorhandenen Ringe zum Rand der Kreisscheibe rücken.
Die Wechsel setzen sich bei Annäherung an die Lochblende fort, wobei die
Schritte zur jeweils nächsten Ebene immer kürzer werden.

Die Zahl der dunklen
Beugungsringe wird bei sehr kleinen Abständen groß. Abb. 7 zeigt beispielsweise das Beugungsbild in
einer Ebene, die nur ca. 3 mm von der Lochblende entfernt ist. Es sind
zahlreiche Ringe zu sehen, wobei der Abstand benachbarter Ringe von außen nach
innen abnimmt. Die Unregelmäßigkeiten im mittleren Bereich und die Abweichungen
von der Kreisform im äußeren Bereich werden darauf zurückgeführt, dass die
selbst gefertigte Lochblende nicht exakt kreisförmig ist. Wenn schließlich die
Beobachtungsebene die Lochblende erreicht, entsteht, wie schon zuvor erwähnt,
ein scharfes Bild der Lochblende. Alle Beugungsstrukturen, innen wie außen,
verschwinden.
6. Poisson-Fleck
Von historischer Bedeutung
ist die Beugung von Licht an einer lichtundurchlässigen Kreisscheibe. Anfang
des 19. Jahrhunderts war diese Beugung Gegenstand einer heftigen Kontroverse
zwischen Fresnel und Poisson.
Letzterer glaubte die von Fresnel vertretene
Wellentheorie des Lichts widerlegen zu können, indem er zeigte, dass bei
Richtigkeit der Wellenhypothese in der Mitte hinter einem kreisförmigen
Hindernis ein heller Fleck entstehen müsste. Diese Vorstellung schien ihm aber
vollkommen absurd und darum die Wellentheorie falsch. Kurz danach
konnte der helle Fleck im Mittelpunkt des Schattens
experimentell nachgewiesen werden. Fresnel hatte
Recht! Der helle Fleck wurde von da an Poisson-Fleck
genannt.
Für den experimentellen
Nachweis des Poisson-Flecks mit Laserstrahl und
Sensorchip wurde aus Lötzinn eine kleine Kugel hergestellt, die im
Beugungsversuch als Hindernis diente. Hierzu wurde ein Tropfen heißen Lötzinns
auf Papier fallen gelassen, der sich beim Auftreffen in viele kleine Kugeln unterschiedlicher Größe
zerteilte. Es wurde eine Kugel mit ca. 1 mm Durchmesser ausgewählt. Sie wurde
auf einen Objektträger für mikroskopische Präparate geklebt und in den aufgeweiteten Strahl des Lasers gebracht. Das Beugungsbild
wurde mit dem Sensorchip ohne Abbildungslinse betrachtet.
In Abb. 8 ist das Beugungsbild zu sehen, das 16 cm hinter
der Kugel entsteht. Der Poisson-Fleck im Zentrum ist
klar zu erkennen. Außerdem sieht man im Schattenbereich der Kugel ein System
von konzentrischen, äquidistanten Ringen. Auch außerhalb des Schattenbereichs
beobachtet man ein System von Beugungsringen. Der Abstand benachbarter Ringe
ist diesmal nicht konstant, sondern nimmt nach außen hin ab. Mit dem Nachweis
der beiden Ringsysteme zusätzlich zu dem Nachweis des Poisson-Flecks
wird die Wellennatur des Lichts auch ohne komplizierte theoretischen
Überlegungen erfahrbar.
7. Beugung an einfachen
Formen
Die Struktur der Intensitätsverteilung des an einem
Hindernis gebeugten Lichts hängt wesentlich davon ab, ob man eine Ebene
betrachtet, die dicht hinter dem Hindernis liegt, oder eine Ebene, die weit hiervon
entfernt liegt. Die Unterschiede werden z.B. bei der in Abschnitt 5 behandelten
Beugung an einer Kreislochblende deutlich. In der Nähe der Lochblende ist im
Beugungsbild die geometrische Schattengrenze gut zu sehen, wenn auch etwas
unscharf. Sowohl in dem nach den Gesetzen der geometrischen Optik dunklen
äußeren Bereich als auch dem hellen inneren Bereich sind Interferenzstrukturen
zu sehen. Im dunklen Bereich liegen sie in der Nähe der Schattengrenze, während
sie den hellen Bereich ganz ausfüllen. Mit zunehmendem Abstand vom
Beugungsobjekt vergröbert sich die Interferenzstruktur im inneren Bereich und
verschwindet schließlich ganz, während sie sich im äußeren Bereich immer weiter
ausbreitet. Die Grenzen des geometrischen Schattens und damit die Gestalt des
beugenden Objekts verschwimmen immer mehr und sind schließlich nicht mehr zu
erkennen. Im ersten Fall spricht man von Fresnel-Beugung
im zweiten von Fraunhofer-Beugung.
Unsere Apparatur eignet sich
hervorragend für Beugungsexperimente im Nahbereich mit Fresnel-Beugung
und im Übergangsbereich, in dem die Fresnel-Beugung
in die Fraunhofer-Beugung übergeht. Im Übergangsbereich wurde untersucht,
welchen Einfluss die Form des beugenden Objektes auf die Gestalt des
Beugungsmusters hat. Es wurden Blenden mit einfachen geometrischen Formen
verwendet, die auf fotografischem Weg als Filmnegativ hergestellt wurden.
In Abb. 9 sind sechs Beugungsmuster mit den zugehörigen
Blenden zu sehen. Die Blenden haben einen Innendurchmesser von
typischerweise 0,5 mm. Alle Blenden
werden in demselben Maßstab gezeigt. Der Sensorchip wurde bei allen
Aufnahmen 17 cm hinter der Blende
angebracht. Die Beugungsstrukturen breiten sich senkrecht zu den Rändern der
Blende aus, und zwar sowohl in den unmittelbar angrenzenden dunklen Bereich
hinein, als auch in die Gegenrichtung über den inneren hellen Bereich hinweg.
Dies lässt sich z. B. deutlich bei der Dreiecksblende in Abb. 9c beobachten.
Bei allen Aufnahmen kann man die Form der Blende mehr oder weniger gut erkennen oder zumindest
erahnen. In Abb. 9c ist bemerkenswert,
dass im Zentrum ein Dreieck erscheint, welches gegenüber dem Blendendreieck punktgespiegelt ist. Je größer die Abmessungen der Blende
sind, desto feiner werden die hieraus resultierenden Strukturen des Beugungsmusters.
In Abb. 9e führt der in horizontaler
Richtung relativ große Abstand der beiden Kreisöffnungen zu einer feinen
vertikal ausgerichteten Streifenstruktur. Sie wird überlagert von einer groben
Ringstruktur, die von den beiden kleinen Kreisflächen herrührt. In Abb. 9f liefern die schmalen und langen Öffnungen der
Kreuzblende als Beugungsbild ein Kreuz mit breiten Streifen, die eine
interessante Feinstruktur haben.
Bei den Beugungsbildern wird man viele Details
erst nach einer genauen Analyse verstehen. Unabhängig davon sprechen die Bilder
an. Sie besitzen eine unmittelbare ästhetische Ausstrahlung.
8. Bedeutung für den
Physikunterricht
Die vorgestellte Apparatur
ermöglicht es, Beugungsexperimente der Wellenoptik leicht und sicher
durchzuführen. Sie eignet sich gleichermaßen für anschauliche
Demonstrationsversuche des Lehrers, wie für Versuche, die von Schülern
eigenständig durchgeführt werden. Die besondere Technik mit dem Einsatz
moderner Medien erlaubt es, besonders interessante Beugungsphänomene in der
Nähe von beugenden Objekten zu studieren. Mit einer intensiven Nutzung der
Apparatur wird man der Bedeutung gerecht, welche die Wellenlehre für die Physik
insgesamt besitzt.
Das komplexe Feld der
Wellenoptik wird hier phänomenologisch über Bilder von Beugungsstrukturen
erschlossen. Die Bilder, die während des Experimentierens unmittelbar auf dem
Monitor sichtbar werden, haben eine große Aussagekraft. Die Unkompliziertheit
der Apparatur ermöglicht ein schnelles und kreatives Experimentieren. Die
Ergebnisse der Experimente werden durch einfaches Speichern der Bilder
dokumentiert. Sie können für eine
mathematische Analyse unmittelbar am Computer vermessen und mit theoretischen
Vorhersagen verglichen werden. Auch wenn die Beugungsbilder eine komplizierte
Struktur haben, so sind die zugrunde liegenden physikalischen Prinzipien doch
recht einfach. Eine interessante Verbindung zur Mathematik und Informatik
eröffnet sich, wenn Schüler komplizierte Beugungsmuster mit selbst geschriebenen
Computerprogrammen numerisch berechnen.
Der hervorstechendste
Vorzug der Apparatur ist darin zu sehen, dass Schüler ohne umständliche
Einweisung mit ihr selbständig und frei experimentieren können. Die ästhetisch
ansprechenden Beugungsbilder regen dazu an, nach immer neuen Strukturen zu
suchen, besondere Merkmale zu analysieren und auf diese Weise mit
Entdeckerfreude die Wellenoptik zu erforschen.